Kleine Rutenkunde
08.02.2022 · BLOG · Letzte Aktualisierung: 21.06.2022
Angelruten sind je nach Einsatzzweck und Zielfisch sehr unterschiedlich ausgeführt, und immer wieder werden neue Entwicklungen und Trends im Rutenbau in der einen oder anderen Rutenart und Angeldisziplin eingeführt. Die beiden hervorstechenden Faktoren sind dabei die Länge und das Wurfgewicht. Daneben gibt es noch Eigenschaften wie Aktion, Rückstellung, Beringung, die Beachtung finden sollten.
Bestandteile der Rute
Moderne Steckruten bestehen aus Kohlenstofffaser-Elementen, den sogenannten Blanks. Entwickelt haben sie sich aus Holz (Weidenruten), Bambus-Steckruten und Spleissruten. Die Entwicklung ging über Glasfaserblanks (dass immer noch im Rutenbau und anteilig in manchen Blanks verwendung findet) zu den jetzigen Rutenmodellen. Wichtige Elemente stellen die Ringe dar, die wesentlich für die Qualität und Führung der Rute sind, sowie Rollenhalter und Griff. Daneben gibt es für bestimmte Bereich davon abweichende Rutenarten wie z.B. Allround-Teleskopruten oder Stippruten (Kopfruten).
Die Rutenlänge
Die Länge einer Rute ist durch Ihren Einsatzzweck bestimmt. Ruten mit denen weit auf den See oder in die Brandung geworfen werden muss, haben von Natur aus größere Abmessungen als solche für den Forellenbach oder Ruten, die man aus dem Boot nur etwas "heraushält". Dazu kommt, ob die Rute gehalten wird, oder abgelegt werden kann und soll. Manchmal stellt die Länge hier einen Kompromiss dar, in anderen Bereiche werden die Ruten durch Ihr Transportmaß beschränkt. Damit in Zusammenhang steht auch die Teilung der Rute. Die meist übliche Zweiteiligkeit ist gut mit der Aktion und der Transportlänge vereinbar, kurze und leichte Spinn- und Jigruten sind oft einteilig oder teilen sich in Blank und Griffstück, Reiseruten sind dem niedrigen Packmaß geschuldet meist 4teilig und kaum länger als eine Teleskoprute. Diese opfern ein gewisses Maß an Aktion und Kontrolle ihrer flexiblen Verstaumöglichkeit.
Zwar gibt es auch bei der Länge einer Rute unterschiedliche Angabensysteme, doch lässt sich die im imperialen Fuß angegebene Rute natürlich recht schnell (1 ft entspricht 30,48 cm) umrechnen und umgekehrt. In seltenen Fällen gibt es eine Angabe nach dem Schema Fuß und Inch also z.b. 9‘ 5“, was (9 * 0,3048 ~ 2,74 m) + (5 * 2,54 ~ 13 cm) etwa 2,87 m Rutenlänge entspricht.
Wurfgewicht, Testkurve oder Schnurangabe
Das Wurfgewicht wird üblicherweise herangezogen um die Kategorisierung oder Klassifzierung einer Rute vorzunehmen – dabei folgen die Systeme aber unterschiedlichen, historisch gewachsenen Systemen, die sich in verschiedenen Angeldisziplinen unterscheiden (Stichwort Karpfen und Bootsrute im Unterschied zu Spinn-, Hochsee- und anderen Ruten). Die Systeme werden unten bei den Besonderheiten der einzelnen Rutenarten erklärt.
Aktion
Die Aktion beschreibt das Biegeverhalten, also wie sich der Blank unter Belastung verhält.
Spitzenaktion / schnelle Aktion
Hier ist die Spitze, also etwa das obere Viertel bis Drittel, für die Aktion verantwortlich, dementsprechend ist die Aktion schnell bis sehr schnell und gerade bei Ruten mit hochwertigem Blank kombiniert mit einer schnellen und präzisen Rückstellung sehr gut zu Köderführung und Kontrolle.
Beispiel: Jiggen, Twitchen, Spinnfischen (z.B. Zander), Heavy-Ratings
Semiparabolisch / mittlere Aktion
Semiparabolische Ruten arbeiten mit einer Aktion bis etwa in die Rutenmitte. Die meisten Ruten sind Semiparabolisch ausgelegt, die Aktion reicht hier von relativ schnell bis mittel.
Beispiel: Spinnruten, Karpfenruten, Feederruten, Ratings Medium
Parabolisch / langsamme Aktion
Eine Parabolische Rute arbeitet über die gesamte Rutenlänge bis zum Griff, ihre Aktion ist dadurch langsam.
Beispiel: Fliegenruten leichte Spinnruten der Ratings Light
Rückstellung
Die Rückstellung meint die Fähigkeit der Rute, aus einer Biegung, Belastung und Verformung wieder in ihre Ursprungslage zurückzugehen. Von Interesse ist dabei die Geschwindigkeit, die Ruhe oder Nachfederung. Die Rückstellung steht natürlich in Zusammenhang mit der Aktion der Rute und ist direkt von ihrer Länge und der wirkenden Kraft beeinflusst.
Ringe
Die Beringung einer Rute ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal. Die Ringe sind ein nicht unerheblicher Faktor für den Preis einer Rute, neben ihrer Güte sind aber auch die richtige Anordnung und Größe für das Rutengefühl verantwortlich.
Spinnruten, Hochseeruten & andere (Wels/Waller-Ruten)
Die Länge: Die Rutenlängen sind meist in Metern (oder auch mal cm) angegeben, bei Ruten für den amerikanischen Markt oder anderen Gebieten mit imperialen Maßeinheiten reicht es die Länge in Fuß mit 0,3 zu multiplizieren.
Die Angabe des Wurfgewichts erfolgt entweder mit einem Bereich z.B. 20 – 40 g oder mittels maximalen und/oder optimalem Wurfgewicht, also z.B. max 40 g (optimales Wurfgewicht 32 g).
Ist das optimale Wurfgewicht nicht angegeben so kann man als Faustregeln das 0,8 fache des maximalen Wurfgewichts ansetzen. Ist die Rute aus dem amerikanischen Raum werden im imperialen Maß nach den gleichen Regeln Unzen (oz) verwendet, eine Unze entspricht etwa 0,0353 Gramm – zum Umrechnen kann man hier die Wurfgewichtsangaben einfach durch 27,35 teilen. Diese Umrechnung trifft auch auf Bleie mit Unzen Gewichtsangabe zu.
Kürzel zur Klassifizierung
Im Bereich Spinnruten werden auch Kürzel zur Einteilung von Ruten verwendet. Diese sind aber nicht genormt oder standardisiert, so dass sie sich je nach Hersteller und Serie unterscheiden können.
|
Kürzel |
Bedeutung |
WGew (Beispiel), g |
Aktion |
|
UL |
Ultra light |
15 |
langsam |
|
L |
light |
20 |
langsam |
|
ML |
Medium light |
30 |
mittel |
|
M |
medium |
40 |
mittel |
|
MH |
Medium heavy |
50 |
mittel |
|
H |
heavy |
60 |
schnell |
|
UH |
Ultra heavy |
>60 |
schnell |
Weitere Ratings sind XH für Extra Heavy oder XUL für Extra Ultra Light.
Baitcastruten
Dies sind Spinnruten, die für eine Multirolle oder auch Baitcastrolle ausgelegt sind. Da diese oberhalb der Rute montiert wird, verläuft auch die Schnur durch Ringe oberhalb des Blanks. Diese sind dichter gesetzt und enger gefasst. Meist haben diese einen sogenannten Triggergriff, eine einem Pistolenabzug ähnlich gestalteten festen Fingerablage unterhalb der Rolle.
Karpfenruten
Üblicherweise werden Karpfenruten in der englischen Nomenklatur angegeben, nämlich Rutenlänge in Fuss (ft oder ') und Testkurve in Pfund (lb oder pound), z.b. 12ft 3,0lb. Die Testkurve meint nicht das Wurfgewicht von Köder/Montage sondern bezeichnet das Gewicht, das nötig wäre, die Rute zu einem Viertelkreis, also um 90 Grad zu biegen. Dabei sind, wie jeder erfahrene Karpfenangler weiss, die Angaben nicht in Stein gemeiselt und können sich von Hersteller zu Hersteller und Rutenserie zu Rutenserie durchaus etwas unterscheiden.
Wie kommt man nun auf das Wurfgewicht im Vergleich zu Spinn- oder Hochseeruten? Indem die Testkurve durch 16 teilt um das maximale Wurfgewicht zu berechnen, und 20% abzieht um etwa das optimale Wurfgewicht zu erhalten. Also
Testkurve in lb * 454 : 16 = Max Wurfgewicht in g
Testkurve in lb * 454 : 16 * 0,8 = opt. Wurfgewicht in g
|
Testkurve in lb |
ca. max Wurfgewicht in g |
ca. optimales Wurfgewicht in g |
|
2,75 |
78 |
62 |
|
3 |
85 |
68 |
|
3,25 |
92 |
74 |
|
3,5 |
99 |
79 |
Bei der Beringung gibt es bei einigen Karpfenruten die Besonderheit, dass Ruten mit 40er oder 50er Startring produziert werden. Während der normale 40 mm Startring das Packmaß und die Handlichkeit der Rute nicht beeinträchtigt, hat der 50 mm Startring den Vorteil, beim Auswurf einen Vorteile für die Wurfweite zu bringen.
Bootsruten
Bei Bootsruten bezieht sich die Angabe weder auf die Testkurve oder das Wurfgewicht sondern auf die empfohlene Tragkraft der Schnur, die verwendet werden soll, hier erfolgt die Angabe ebenfalls meist in lbs. Erkennen kann man dies, neben der Rutenart meist an der wesentlich höheren Angabe.